Kultur vs. Kapital – Raumkampf in Mainz

Letzten Donnerstag erhielten wir folgende Nachricht: „Seit ein paar Wochen gibt es einen neuen Versuch, die Neutorschule, ein seit Jahren leerstehendes, dreistöckiges Gebäude als Kreativzentrum [in Mainz] aufzubauen. […] Die Stadt verkauft alles (Winterhafen, Zollhafen, Ludwigstraßenmall, Südbahnhof…), das Atelier Zukunft ist rausgeflogen, das Haus Mainusch ist bedroht etc. Es ist ja aber nicht so, dass es so bleiben muss bzw. ist es ja auch so, weil wir es mit uns machen lassen statt uns gemeinsam zu wehren. Fastnacht ist nicht die einzige Kultur der Welt.

In Mainz am Rhein bewegt sich was, doch um was geht es genau?Laut Medienberichten ist da zum einen ein leer stehendes Objekt in der Altstadt von Mainz. Die Neutorschule war einst ein Bau, der der nebenstehenden Neutorkaserne als Munitionsfabrik diente, dann jedoch zu einer Mädchenschule mit Bädern und Suppenküche während der 1920/30er umgebaut wurde.

Mit der Wende kam der Auszug der Bildungseinrichtung.  Nach und nach wurden auch die letzten Mieter_innen, wie der Bauernverband und das Literaturbüro in Mainz aus den nun nur noch zum Teil genutzen Räumen verbannt.

Freie, gemeinnützig-kulturelle Einrichtungen haben es schwer in Mainz etwas auf die Beine zu stellen. Nicht nur, dass Raum ein begehrtes Gut in der Spundekäs‘-Metropole zu sein scheint, wie ein Blick in den Mietspiegel deutlich werden lässt. Die gesamte  Rheinlage von A wie Altstadt bis Z wie Zollhafen wird derzeit saniert und funktionell „aufgewertet“. Ob ein Bootshaus vom Sternekoch, „hochwertige“ Wohnungen am Winterhafen, ein Weinzentrum oder weitere „hochwertige“ Kultur-, Wohn- und Gewerbeflächen nahe des Studiviertels Neustadt – immer scheint es, als habe im Politischen „das Geschäft“ Vorrang vor Kultur. Ein Kampf um Raum entzündet sich nun an der Neutorschule.

Das wohl größte Streit-Kollektiv bildet der ortsansässige Kunstverein Peng, der seit 2006 einer unvergleichlichen Facettenvielfalt an Kulturschaffenden in Mainz Raum und Zeit bot, Ausstellungen zu gestalten und Kunstrezipierenden jeglicher Einkommenssparte Möglichkeiten diese zu besuchen. Außerdem kennt sich das Kollektiv mit der Mainzer Mietpolitik aus, es musste bisher drei Mal umziehen.
Gemeinsam mit vielen anderen Initiativen wollen sie sich zusammentun, um Goliath entgegentreten. Die Idee dahinter: „Mainz braucht mal einen Raum, an dem nicht primär kommerziell Sachen gemacht werden können. Konzerte, Lesungen, alles mögliche, Partys. Und in den oberen Etagen könnten Büros, Ateliers etc. eingerichtet werden.“ *

Eine andere Geographie ist möglich, Fortsetzung folgt.

*Wer auch immer daran interessiert ist, so der Aufruf, möge sich am Donnerstag, den 14. 6. um 19 Uhr im neuen Peng einfinden. Martinsstraße 11, Nähe Gautor. http://www.pengland.de/anfahrt/

Θ

Alle angegebenen Links beziehen sich auf den 10.Juni 2012

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